Mittwoch, 14.06.2017 566 km

Wir hatten beschlossen, um spätestens 7 Uhr abzureisen. So würden wir halbwegs staufrei an Hamburg vorbei kommen – was auch tatsächlich gelang. Am Hoyer Autohof Hamburg Süd bekamen wir ein prima Frühstück. Als wir das Lokal betraten, wurde die nette Kellnerin gerade von einem Arschloch zusammen gefaltet, da sie sich erdreistet hatte, ihn, den Fahrer eines Kleinbusses, darauf hin zu weisen, dass er gerade beide Behindertenparkplätze zugeparkt hatte. Er hörte nicht auf mit der Meckerei, bis plötzlich Sätze wie mischen Sie sich da nicht ein fielen. Andere Gäste waren der Kellnerin zu Hilfe geeilt, und der unterbelichtete Troll war abgestrumpft, um sich beim Chef zu beschweren. Ja, man merkt deutlich, dass wir wieder in Deutschland waren. Wir bemühten uns redlich, die nette Kellnerin mental wieder aufzubauen.

Kurz vor Bremen dann ein kleiner Stau. Baustelle, einspurige Verkehrsführung. Löste sich aber schnell auf, und wir kamen danach zügig weiter. Anlässlich einer letzten Rast kurz vor Herne verabschiedeten wir uns, und ich war gegen 13:30 zu Hause. Zum Glück lief mir auf den letzten Metern noch ein fettiger Whopper über den Weg.

Fazit

Bevor ich zu einem Fazit der Tour komme, sollte ich erwähnen, dass sowohl Alex als auch ich bereits leicht gestresst los gefahren sind. Alex verspürte ein berufliches Unwohlsein, ich hatte Sorgen um meinen geliebten Kater Loui. Dazu kam bei mir andauernd das bedrückende Gefühl, mein Geld in einem Land zu lassen, welches dieses momentan nicht verdiente. Gemeint ist Polen mit seiner bedenklichen Regierung, und keinesfalls das unbelastete Litauen.
Während in Litauen an jeder durch EU Mittel geförderten Baustelle ein Hinweisschild steht, sucht man diese in Polen mit der Lupe. Dabei ist Polen seit Jahren der größte Netto-Empfänger – und damit Profiteur – der EU. Auch mit der Europäischen Fahne hatte man es in Polen nicht so.

Ich kann nicht behaupten, dass mir die Tour gar nicht gefallen hat. Klaipeda und Vilnius haben mir gut gefallen, und auch die Masuren hatten ihren besonderen Reiz. Danzig war zweifelsohne grandios. Auch die Landschaft war schön – allein sie war überall fast gleich. Wiesen und Felder, gefolgt von Wald. Dann wieder Wiesen und Felder. Viel geradeaus, viele Dörfer mit extrem niedrigen Tempolimits. Dazu in Polen teilweise (Neben)strecken der übelsten Kategorie. Unsere beiden 400 km Tage waren unter diesen Bedingungen ein Kraftakt, der viel Begeisterung für mögliche Besichtigungen genommen hat. Dieses Problem war natürlich selbst verursacht. In Irland z.B. liegt mein tägliches Maximum an Strecke bei 200 km.

Es war sehr schade, dass wir mit den Bewohnern nicht wirklich ins Gespräch gekommen sind. Dies war in der Slowakei etwas leichter. Vielleicht mögen die Polen keine Deutschen – ich wäre als solcher durch mein niederländisches Kennzeichen jedoch nicht zu erkennen gewesen. Vielleicht sind die slawischen Menschen einfach etwas verschlossener. In Norddeutschland bietet dir auch niemand ein schnelles Du an.

Ich vermute, der Süden Polens wird mehr Motorrad-Potential bieten, als der Norden. Kultur gab‘s zu Hauf am Rande des Weges, aber für eine gelungene Motorrad Tour war das Terrain einfach zu eintönig. Andererseits, ohne hin zu fahren weiß man nicht, ob man‘s da mag oder nicht. Die Tour war sicher kein Totalverlust, aber sie war auch kein echtes Highlight.