Farewell Schottland 2018

Welch ein Sommer! Bestes Wetter von April bis August, fast so, als müsste der Sommer 2018 all das nachholen, was seine früheren Kumpels ausgelassen hatten. Natürlich war es zu viel des Guten. Mein Rasen wirkt wie die Strauchsavanne der Sahelzone, und der letzte Rasenschnitt war Ende April erforderlich. Echtes Motorradwetter sieht eigentlich anders aus.

Zwei Reisen standen heuer an. Eine mit zwei Kumpels, die zweite allein.

Die erste sollte dahin gehen, wo ich mich sonst nie tummle: In die Alpen. Zusammen mit Alex und Wolle wollten wir ein Maximum an Alpenpässen in Österreich, Slowenien, Norditalien und der Schweiz mitnehmen. Dies ist auch gelungen. Wie erwartet sind wir auf grandiose Straßen und Landschaften gestoßen – doch leider auch auf Heerscharen von hirnlosen Knieschleifern, ätzende Touristenorte wie Cortina d’Ampezzo und Samnaun und die Tatsache, dass die Alpen Anfang Juni noch geschlossen haben, und fast alle Bürgersteige hochgeklappt sind. An den Junx hat‘s sicher nicht gelegen, aber mir fehlte dort etwas: Echtes Abenteuer und spannende Dinge neben der Strecke. Unsere täglichen Fahretappen waren eindeutig zu lang und kräftezehrend, und mit Passstraßen ist es wie mit keltischen Steinkreisen: Kennst Du einen, kennst Du alle.

Alpentour 2018

Isoliert betrachtet war jeder Tag wunderbar und toll, angereichert mit viel Adrenalin und fahrerischer Emotion. In der Summe ist aber zu wenig geblieben, um darüber einen Reisebericht zu schreiben. Zumal es in der digitalen Welt ganz sicher nicht an Alpen-Reiseberichten mangelt. Eine Alpenreise ist für mich wohl eher das Kassenmodell einer Fernreise. Kann man machen, muss man aber nicht. Am authentischsten kamen mir noch die Tage in Österreich vor. Nette Menschen, tolles Essen und rustikal-gemütliche Unterkünfte. Und alles sehr preiswert, in der Vorsaison.

Zurück in der Heimat wurde ich dann in einen üblen Nachbarschaftskrieg mit einer ätzenden Anwohnerin gezogen, die uns seit 28 Jahren terrorisiert, belästigt, ausspioniert – und seit neuestem auch noch beleidigt. Tourette, Pseudologia Phantastica, Borderline – gepaart mit Rassismus – man weiß es nicht. Diese Frau ist krank, da habe ich keinen Zweifel. Und um es nicht auch zu werden, mussten mindestens 1000 km zwischen uns. Und dies schnell.

Die zweite Tour des Jahres, eine Solotour, sollte eigentlich in den Südwesten Englands führen. Zwei Tage vor der geplanten Abreise habe ich mich umentschieden. Ausschlaggebend war mein tieferes Wissen über den Brexit, und die Regionen, die diesen durch ihre Entscheidung begünstigt haben. In Südengland, Wales, Nordengland und Teilen der Midlands blühte ein xenophober EU-Hass, den ich nicht noch durch mein Geld belohnen wollte. Zudem war zu erwarten, dass durch das schwache britische Pfund der Inlandstourismus genau dort dramatisch ansteigen würde.

Zur Wahl standen schließlich Irland und Schottland, zwei Länder, die unter dem Brexit Wahnsinn am meisten leiden. Ich entschied mich schließlich für Schottland, denn auch dort würde voraussichtlich ab dem 31.03.2019 alles anders sein. Auch ein Name für meine 11. Reise nach Schottland war schnell gefunden: Farewell Schottland 2018.

Meine 33. Reise auf die britischen Inseln sollte in schottische Regionen führen, die ich auf früheren Reisen immer links liegen gelassen, oder auf Grund widrigen Wetters auf anderen Reisen ausgelassen hatte. Mein erstes Ziel sollte der Galloway Forest Park werden, gefolgt von der Isle of Arran und der Isle of Mull. Zum Abschluss dann noch zwei Tage in Fort William, Stirling oder irgendwo – zwei Jokertage, sozusagen. Elf Tage hatte ich Zeit – das würde passen.

Begünstigt durch die Tatsache, dass seit 10 Wochen auch in Schottland ein extrem trockener Sommer herrschte, fuhr ich – entgegen meinen sonstigen Gewohnheiten – zur Hauptreisezeit. Am 24.07.2018 ging es los. Und wie fast immer auf meinen Reisen kam mit mir auch der Wetterumschwung im Zielgebiet. Geblieben ist trotzdem eine tolle, abenteuerliche Tour – genau wie ich sie liebe.

Farewell Schottland 2018 – zum Reisebericht