Wahl 2017

Ich mach‘s kurz: Einziger Glücksfall – ich muss mein Banner nicht ändern. Mutti bleibt, die Mehrheit der Deutschen hat also – wie zuvor bereits beim Wahl-O-Mat – jede Frage mit egal beantwortet. Das Ergebnis wird erneut eine Politik des totalen Stillstands sein, denn wenn alles so bleibt, wie es ist, so fällt man weniger schlimm auf, als wenn man etwas vergeigt. Ein deutliches Credo von Merkel. Ihr zweites ist jedoch noch viel bedenklicher: Schare nur inkompetentes Personal um dich, damit dir niemand gefährlich werden kann. So regiert unser aller Bundesmutti bereits seit 2005.

Auch die GroKo ist jetzt Geschichte, genau wie die SPD – der Juniorpartner der bisherigen Regierung. Dabei hat sie mit Mindestlohn, Rente mit 63 und Ehe für alle wenigstens einige anständige Duftmarken gesetzt. Zu sehr schmerzt den dummen deutschen Michel immer noch die Hartz-4 Gesetze, deren wirtschaftliche Notwendigkeiten sich nur mit erfolgreichem Hauptschulabschluss offenbaren. Für alle anderen war es ein Dolchstoß in den Rücken des rechtschaffenen, deutschen Arbeiters. Dies klebt jetzt an der SPD, wie das elende Nazireich an Deutschland. Schon Peer Steinbrück ist daran gescheitert, und Martin Schulz erging es auch nicht besser. Beides hochintelligente Menschen, denen ich eine Führungsposition absolut zutraue – aber leider auch beide so uncharismatisch wie ein graumelierter Finanzbeamter, der launige Geschichten über Sparmodelle bei der Hundesteuer zum Besten gibt. Würselen ist übrigens ein übles Dreckskaff – ich fahr nur hin, wenn ich mal zur Metro will.

Martin Schulz wollte mehr Gerechtigkeit für Deutschland – also genau das, was die SPD schon immer vor jeder Wahl fordert. Dabei entging den Genossen leider, dass ihnen das nach 12 Jahren in der Regierung niemand mehr abnimmt. Nach langem Hadern zwischen den beiden Spaßparteien Die Partei und SPD habe ich sie dann doch gewählt. Vermutlich aus vorauseilendem Mitleid.

Eines zumindest haben die Genossen deutlich erkannt: Eine Fortführung der GroKo würde nur in weiterem Bedeutungsverlust münden. Auch wenn man eigentlich kein‘s mehr hat, auf der Oppositionsbank kann man zumindest Profil zeigen. Da nicht zu erwarten ist, dass die Zukunft die Deutschen in ihrer genetisch bedingten Unzufriedenheit besänftigen wird, kann diese Taktik durchaus aufgehen. Gesellschaftliche Unzufriedenheit ist immer gut für die Opposition. Haben die Genossen natürlich nicht selbst erfunden, sondern schnöde bei Jeremy Corbyn von der britischen Labour Party abgekupfert. Ob eine Andrea Nahles hier die Idealbesetzung ist, bleibt jedoch ernsthaft zu bezweifeln.

Immerhin wird es jetzt erst mal unterhaltsam. Die SPD mag nicht mehr, und Frau Merkel muss mit den Grünen und den frisch erstarkten Wirtschaftslobbyisten der FDP. Dobrinth bekommt seine Maut (gefühlsmäßig das einzige, was die Union überhaupt erreicht hat), wenn der Veggie-Day verpflichtend in‘s Grundgesetzt aufgenommen wird? Sofortige Stilllegung aller Verbrenner bei gleichzeitigem Bau von Ferntrassen für Rikschas, Lastenräder, alleinerziehenden Müttern mit Kindern (oder mindestens Frauen) und Draisinen. Irgend einen Irrsinn wird auch die 1-Personen Partei FDP fordern – vermutlich Steuerbefreiung für ihre Sponsoren und Amnestie für Steuerbetrüger. Und auch die CSU wird wieder irgend was erzwingen, was wirklich niemand braucht. Resort Dobrinth – warum sonst sollte man sich einen solchen Loser leisten?

Soviel zu den guten Nachrichten.

Fast 13% der zukünftigen Parlamentarier sind jetzt xenophobe Rassisten, Neo- und Altfaschisten mit krudem Menschenbild, Kleingarten nebst Zwergen und großem Fundus an vertanen Lebenschancen. Was werden sie wohl fordern? Einen Feiertag für die Waffen SS? Wiedereinführung des Mutterkreuzes? Sächsisch als erste Fremdsprache? Ist das der späte Dank für gefühlte 100 Jahre Solidaritätszuschlag? Das stete Gefasel von Mitteldeutschland macht mir Angst. Wo bitte liegt dann zukünftig Ostdeutschland?

Ist natürlich ein globaler Trend. Alle Welt rückt nach rechts, mag wieder Grenzen errichten, und Menschen rausschmeißen, oder erschießen, wenn sie schwarz sind und den Fehler begangen haben, in den USA zu leben. Alle sind irgendwie ein bisschen „trump“, und dieser Trumpismus wird sich weiter in die Welt verbreiten, wie ein Wurm in einem modernden Apfel. Dann macht‘s irgendwann Bumm, und das Universum wird schlagartig zu einem besseren Ort.

Eine wesentliche Theorie meines persönlichen Lebensmodells war immer schon die ungerechte Verteilung von rationaler und emotionaler Intelligenz unter der Bevölkerung. Einer beliebigen Bevölkerung übrigens, denn Dummheit ist kein nationales Phänomen. Ich nenne es die 5-60-35 Theorie. Der zu Folge ragen 5% der Menschheit aus der breiten, intelligenten, interessierten und gut ausgebildeten Normalgruppe (60%) hervor. Früher gab‘s in dieser Gruppe auch Politiker, traditionell immer schon ein wenig gepaart mit latenten, moralischen Defiziten, aber insgesamt völlig unbedenklich. Demokratien wären pure Paradiese, wenn es ausschließlich diese 65% am oberen Ende der Evolution wären – also Konditional II. Zu welcher meiner Gruppen ich selbst zähle, wage ich nicht zu beurteilen.

Meiner Theorie nach existieren in jeder Gesellschaft 35% dumme Menschen. Und dumm muss man erklären, damit es keinesfalls nur mit der Abwesenheit von Bildung gleich gesetzt wird. Man kann dumm geboren werden, aber auch dumm gemacht werden. Totale Perspektivlosigkeit – egal ob nur empfunden oder tatsächlich gelebt – ist ein wesentlicher Baustein für einen Weg in fortgeschrittene Dummheit. Eine Minimalvoraussetzung für das Erlangen großer Dummheit ist die Abwesenheit jeder Form von Selbstreflexion beim gleichzeitigen Empfinden wohliger Wärme in einer abstrakten Opferrolle. Ist halt irgendwie die deutscheste aller Tugenden – bohrender Neid. Fehlender Antrieb zur Verbesserung des eigenen Schicksals ist auch ein wesentlicher Parameter beim weiteren Abstieg. Auch fehlende Mitmenschlichkeit – also ein harter, sozialpathologischer Defekt – sind dabei förderlich. Früher war alles besser – unter gleichzeitiger Missachtung der Tatsache, dass auch früher die Welt eine andere war. 35% der Menschen glauben, dass sie niemand lieb hat, und die verbleibenden 65% glauben, dass die Ersteren damit völlig richtig liegen.

Früher waren diese Leute kein Problem. Entweder, sie waren nie politisch engagiert oder interessiert – und haben nie gewählt – oder sie dümpelten am rechten oder linken Rand irgend einer etablierten Volkspartei. Dann aber haben sie sich gegenseitig gefunden, über Pegida, AfD und/oder Facebook. Und jetzt gehen viele von denen wählen – und die zeitgenössische Demokratie muss so was aushalten.

Bereits am Wahlabend verkündete Merkel, dass sie die Menschen aus der AfD zurück holen wolle. Dies klappt natürlich nur, wenn man deren Wünsche befriedigt, also selbst noch weiter nach rechts schwappt. Die Unionsparteien, allen voran die CSU, hatten aber bereits vor der Wahl ihren Schwerpunkt deutlich nach Steuerbord verlagert. Ohne Erfolg, versteht sich. Speziell aus diesem Orkus hat sich die AfD bedient. Werden sie jetzt verstanden haben, dass die „ewig Unzufriedenen“ ihren Namen nicht verdienen würden, wenn sie mit irgend etwas zufrieden zu stellen wären? Wohl kaum.

Letztens lief eine Doku über den von mir sehr geschätzten Helmut Schmidt. Nichts neues eigentlich, aber Gelegenheit, einen scharfsinnigen, zielorientierten und absolut integren Politiker bei der Arbeit zu beobachten. Warum ist diese charismatische Spezies ausgestorben? Warum hat man die nicht auf die rote Liste gesetzt? Warum gibt es keine Politiker mehr, die vorher was Seriöses gelernt haben? Lag Darwin vielleicht falsch, oder hat die menschliche Evolution einfach ihren Zenit überschritten?

Man weiß es nicht, und mit etwas Glück bin ich zu alt, um es noch heraus zu finden.

Glückauf,

Demokrit

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