Meine geliebte GS
Polen hat sie überstanden, aber dann kam Deutschland.

Man denkt, dass man als Motorrad Reisender nach 42 Jahren im Sattel ein Gefühl dafür entwickelt, wo man sein Fahrzeug halbwegs sicher abstellen kann. Polen, Litauen, Slowakei, Tunesien, Irland, Italien, Schottland, Frankreich u.v.a.m. – nie ist etwas weg gekommen. Und dann fährt man zum deutschen Media Markt und erfährt binnen 5 Minuten, dass jedes Gefühl für Sicherheit ein Irrglaube ist.

Vielleicht wäre nix geschehen, wenn ich mir keine neue Reisekamera gekauft hätte. Dieser fehlte noch eine schnelle Speicherkarte, denn die Vorhandenen aus meinem Fundus waren alle zu langsam für jetzt mögliche 4k Aufnahmen. Ich mag zwar den Media Markt nicht besonders, aber dieser hatte gerade ein unschlagbares Angebot (EUR 49,99) für eine Toshiba 128 GB. SDXC I Class 3 Karte. Ohne diese hätte ich nicht tiefer in die Möglichkeiten der neuen Kamera eindringen können. Es war Samstag, ausnahmsweise trocken, also ab die Post. Nur mal schnell zum Media Markt in Herzogenrath – ohne Telefon – dauert ja max. 30 Minuten.

Um 11:54 Uhr parkte ich meine Kuh zwischen zwei PKW auf dem Media Markt Parkplatz, etwa 15 m diagonal vom Haupteingang entfernt. Geeignetere Stellflächen für Motorräder waren bereits durch zwei Harleys und einen Japaner belegt. Ich schloss alles ab, und den Helm mit Handschuhen im Topcase ein. Dann marschierte ich rein, schnappte mir die Speicherkarte und ging zur Kasse. Um exakt 12:00 Uhr (Kassenzettelaufdruck) hatte ich bezahlt, und ging zurück zum Parkplatz. Und dieser war leer, bzw. durch einen neu eingetroffenen PKW belegt.

Jetzt denkt man zuerst an einen spontanen Alzheimeranfall. Das geeignete Alter dafür hätte ich ja. Die schnelle Suche über den Parkplatz blieb aber erfolglos. Nein, ich hatte nicht woanders geparkt. Meine Kiste war weg, futschikato, nullinger. Gestohlen binnen 5 Minuten.

Am Rande des Geschehens stand ein Biker mit örtlichem Kennzeichen und rauchte. Ich sprach ihn an und fragte, ob er etwas gesehen hätte. Und er hatte – allerdings ohne sich etwas dabei zu denken. Ein Motorrad mit zwei behelmten Typen war zu meiner GS gefahren, und der Beifahrer war abgestiegen. Nach 1-2 Minuten hätte dieser die GS aus der Parktasche geschoben, und weiter gen Ausfahrt des Parkplatzes. Das andere Bike folgte ihm dabei. Noch vor der Ausfahrt lief dann angeblich der Motor meiner GS, und beide machten sich vom Acker. Wohin, wusste er nicht. Hatte nicht darauf geachtet. Einer der beiden trug wohl (wahrscheinlich) einen rot-schwarzen Helm. Auf den Zeugen hatte das alles wie ein Batterie-/Anspringproblem gewirkt. Zweiter Gang, Anschieben mit Anlauf, und mit etwas Glück läuft dann die Kiste. Dass dies mit einer hochkomprimierenden GS für gewöhnlich nicht wirklich klappt, konnte er nicht wissen.

Der Zeuge war ausgesprochen hilfsbereit. Da ich kein Telefon dabei hatte, lieh er mir seines. Ich rief die 110 an, und gab alle Fahrzeugdaten und die bekannten Details durch. Da der Media Markt direkt an der Grenze zu den Niederlanden liegt, fragte ich, ob die Fahrzeugfahndung auch automatisch auf diese ausgedehnt würde. Der Polizist versicherte mir mit angenehm ruhiger Stimme, dass dies geschehen würde – und zwar direkt. Außerdem wäre ein Wagen unterwegs zu mir.

Jetzt hieß es warten. Ich nutzte die Zeit, um alle Seiten- und Querstraßen sowie den gegenüberliegenden Parkplatz eines Möbelhauses abzusuchen, während der andere Biker nach der Polizei Ausschau hielt. Er hatte auch eine Überwachungskamera entdeckt, welche den frontseitigen Parkplatz abdeckte. Der Marktleiter teilte ihm allerdings mit, dass meine Parkposition gerade außerhalb des Sichtfeldes läge.

Als nach 30 Minuten immer noch keine Polizei vor Ort war, rief ich erneut die 110 an. Möglicherweise hatten die ja etwas falsch verstanden. Hatten sie aber nicht, wie mir der (andere) Polizist mitteilte. Im Gegensatz zu seinem Kollegen war er ausgesprochen unfreundlich. Meine Frage, wann denn mit seinen berittenen Kollegen zu rechnen sei, antwortete er: Gar nicht. Was sollen wir da? Gehen sie zur nächsten Polizeidienststelle, und erstatten sie Anzeige. Zuständig wäre am Wochenende Alsdorf (weit weg und in falscher Richtung) oder Aachen (ebenfalls weit weg). Als ich darauf verwies, dass sein Kollege aber ein Fahrzeug angekündigt hatte, sagte er erneut, Da kommt niemand – nicht dafür. Ich war irgendwie ziemlich sprachlos.

Jetzt ist man in einer solchen Situation sowieso nicht ganz geschäftsfähig, fühlt sich wie in einem bösen Traum und denkt nur noch durch Watte. Während ich so vor mich hin zauselte, bog ein Polizeifahrzeug mit drei Insassen auf den Parkplatz ab – und sie wollten auch zu mir. Mein erster Gedanke war: Zu dritt? Normal sind‘s doch nur zwei. Haben die vielleicht den Dieb gestellt, und gleich auf die Rückbank verfrachtet? Es stiegen aber 3 Polizisten aus, alle noch sehr jung, vielleicht Mitte 20. Sie schrieben alle Details zum Geschehen in eine Kladde, dazu die Fahrzeug- und Personendaten von mir und dem Zeugen. Von ihnen erfuhr ich auch, dass der Parkplatz wohl ein Brennpunkt für Delikte dieser Art war. Die direkte Grenznähe begünstigt die schnelle Flucht. Schließlich trat auch noch der Marktleiter dazu, um nochmals zu erzählen, dass die Überwachungskamera leider in die falsche Richtung wies.

Auf meine Frage zu einer Vorgangs– oder Tagebuchnummer erfuhr ich, dass mir diese binnen 30 Tagen von der Staatsanwaltschaft zugesandt würde, zusammen mit der zu erwartenden Einstellung des Verfahrens. Die Kiste würde wohl schnell zerlegt werden. Neue, lockende Angebote bei Ebay & Co.

Dann sagten sie mir noch, wo ich die nächste Bushaltestelle finden würde, und fuhren von dannen. Sie waren ausgesprochen freundlich, haben mich hinsichtlich Sicherung möglicher Spuren jedoch etwas enttäuscht. Vielleicht würde ja noch irgend ein Metallteil von den Schlössern mit Fingerabdrücken auf dem Parkplatz liegen, auf dem mittlerweile ein PKW stand? Wurde nicht geprüft, keiner von ihnen ging auch nur in die Nähe des ursprünglichen Parkplatzes. Ich vermute, sie wussten, dass die Diebe wohl Profis waren, die nichts verräterisches zurück lassen würden. Soviel zu mechanischen und elektronischen Sicherungen einer BMW. Schlösser? Elektronische Wegfahrsperre? Alles Pillepalle, wenn die „Richtigen“ am Werk sind.

Jetzt hieß es Bus fahren. Mein letzter Bus war des Messebus auf der Hannovermesse 2008 gewesen. Ich war also bustechnisch etwas aus der Übung. Trotzdem gelang es mir, den Fahrplan zu verstehen. Ich sollte 30 Minuten warten, bis ein Bus gen Aachen fahren würde. Da ich viel zu genervt war, entsann ich mich einer Transporttaktik, die ich in den 70er Jahren praktiziert hatte. Ich versuchte, zu trampen. Die Stelle war dafür top geeignet, und hunderte Fahrzeuge fuhren an mir vorüber. Keiner hielt an. Wahrscheinlich ist trampen völlig aus der Mode gekommen, oder der alte Mann mit rotem Kopf in fliegenverzierten Motorradklamotten schreckte zu sehr ab. Ich hätte wohl gehalten – aber ich bin in vielerlei Hinsicht auch ein zeitgeistresistenter Dinosaurier.

Für EUR 3,40 fuhr ich Bus zum Aachener Bushof, stieg dort um in die Linie nach Vaals, wo ich 60 Minuten später angelandet wurde. Fährt man ÖPNV, dann weiß man danach, wie wertvoll ein eigenes Fahrzeug tatsächlich ist. Schließlich folgten noch drei Kilometer zu Fuß bis zu meinem abgelegenen Weiler inmitten glücklicher Kühe, Ziegen und Esel. Der Stellplatz für meine Kuh auf der Terrasse verwaist, daneben – auf dem Gartentisch – noch die neu erstandene, solide Abdeckplane. Auch sie war jetzt ihrer Aufgabe beraubt.

Den Rest des Tages verbrachte ich mit Schadensmeldungen an die Versicherung und langen Grübeleien. Bei Letzteren hatte ich eine Idee: Auch wenn die Überwachungskamera meinen Parkplatz gerade nicht erfassen konnte, so hätte es ja durchaus sein können, dass die Durchfahrt des Motorrads der Diebe im Sichtbereich der Kamera gelegen wäre.

Ich wählte die Nummer der Polizei in Herzogenrath, landete aber (nach viel Geknackse) im Polizeipräsidium Aachen. Am anderen Ende eine ausgesprochen nette und angenehme Polizistin, die mir nach kurzer Schilderung meiner Idee ins Wort fiel. Sie wusste sofort, worum es ging, und teilte mir mit, dass die Überwachungsvideos bereits beim Media Markt angefordert wurden.
Immerhin eine winzig kleine Chance – wenn auch nicht sehr wahrscheinlich. Wer so professionell Motorräder klaut, fährt wohl nicht mit eigenen Fahrzeugen zum Tatort. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Von ihr erfuhr ich auch, dass ich deutlich früher zur Tagebuchnummer gelangen könnte. Dazu müsste ich mich persönlich in irgend eine deutsche Polizeidienststelle bemühen, und würde dort einen Auszug der Anzeige erhalten, nebst Tagebuchnummer. Dieser Gang steht jetzt für morgen an.

Besonders ärgerlich ist, dass meine Kiste gerade perfekt durchsaniert war. Baujahr 06/2013, gebraucht gekauft in München im März 2014. Anfangs versehen mit zahllosen Wehwehchen, wie übelst schlagenden Gängen, wanderndem Wirkpunkt der Kupplung und extrem schnell verschleißender hinteren Bremsscheiben. Dazu zweifacher Ausfall von Tastern und Schaltern, zwei Rückrufaktionen und andere kleinere Nickeligkeiten. Nach Austausch des Getriebes (2015) und mehrfachem Tausch der hinteren Bremsscheibe nebst Zange sowie Tausch der Lenkerverkabelung lief meine Kuh endlich wie eine Eins. Die Badewannenkurve der Defekte war mit 35.000 km unten angekommen – alles war gut. Im Juni hatte ich noch die Garantieverlängerung für‘s 5. Jahr abgeschlossen (EUR 274,-), und vor zwei Wochen war sie noch in der großen Jahresinspektion (EUR 606,-). Auch die Reifen hatte ich unlängst erneuert. Alles mit futsch, alles jetzt Geschichte.

Jetzt droht erst einmal viel Geraffel mit Versicherung und Behörden, gefolgt von der (hoffentlich bald möglichen) Ersatzbeschaffung. Ich bekomme natürlich nur den Zeitwert, und wie hoch der in den luxusbesteuerten Niederlanden ausfällt, kann ich noch nicht sagen. Koffer, Tankrucksack, Navi und Softbag habe ich ja noch. Auch einen alten Helm und Ersatzhandschuhe liegen noch im Fundus. Could be worse, würde wohl ein Brite sagen.

Mit dem Diebstahl ist wohl auch meine für Ende August geplante Reise nach Österreich geplatzt. Und gerade die hätte ich gebraucht, denn die erste Tour des Jahres war nicht so der Hit gewesen.

Und sollte tatsächlich einer der elenden Verbrecher diese Zeilen lesen: Ich werde jetzt meine kleine, in New Orleans erworbene Voodoo Puppe herauskramen, und langsam und bedächtig drei Nadeln rein pieken. Wenn die Bedienungsanleitung nicht lügt, so wird folgendes geschehen: Euch werden kindskopfgroße Hämorrhoiden wachsen und eitrige Geschwüre werden lebenslang eure primären Geschlechtsorgane zieren. Wenn es noch Sex gibt – in Zukunft – dann nur noch mit euch selbst. Und er wird weh tun – und immer schlecht sein. Und aus euren Audio- und TV Geräten wird nur noch Helene Fischer krakeelen. Oder Motörhead, falls ihr Helene Fischer mögen solltet. Das klingt zwar hart, ist aber gerecht.

Soviel dazu – ich geh jetzt weiter Frust schieben.

 

====================================================================

Nachtrag vom 02.08.2017

Es ist erstaunlich, wie einen ein solches Geschehen mental und körperlich fertig macht. Null Appetit von Samstag bis heute, und ein permanentes Grübeln über die unvorstellbare Geschwindigkeit, mit welcher der Diebstahl ausgeführt wurde.

Ich hatte mich zuerst darauf verlassen, dass die Aussage meines ersten deutschen 110 Kontaktes stimmt, und die Fahrzeugfahndung auch auf die Niederlande ausgedehnt würde. Keine Ahnung warum, aber am Montag Morgen bin ich dann trotzdem zur Polizei in Vaals gefahren. Just to make sure. Ich traf auf einen sehr netten Diensthabenden, der selber Biker war. Als ich ihm von dem Vorfall vom Samstag erzählte, sagte er mir, dass er das alles über Funk mitgehört hätte, eher zufällig. Ich bat ihn trotzdem, seinen Computer zu prüfen – was er auch tat. Das Ergebnis war dann ziemlich ernüchternd. Unter meinem Kennzeichen lag bislang KEINE Meldung vor. Damit schwindet dann wohl auch jede Hoffnung, die Kiste zurück zu bekommen – was mir deutlich lieber wäre als der mickrige Zeitwert.

Beim gestrigen Gespräch mit meinem lokalen Versicherungsmakler wurde dann gewiss, dass diese Saison für mich beendet ist. Die Versicherung benötigt einen Monat NACH Beendigung des Verfahrens durch die Staatsanwaltschaft, die ihrerseits 4-6 Wochen braucht. Damit ist die geplante Motorradreise nach Österreich gelaufen.

Am Abend war ich dann völlig sprachlos. Ich hatte den Vorgang am Sonntag auch im GS-Forum gepostet – in der naiven Hoffnung, dass vielleicht noch jemand etwas gesehen haben könnte. Dabei entwickelte sich eine rege Diskussion über Nutzen von Alarmeinrichtungen, mechanischen Schlössern (Bremsscheibe, wie bei mir vs. Kettenschlösser) oder gar GPS Trackern. Für mich war es vollkommen unvorstellbar, ein sehr massives ABUS Scheibenschloss binnen 2 Minuten mechanisch zu knacken. Ein User gab dann den Hinweis, mal nach YouTube Videos zum Thema Motorradschlösser zu googeln. Ich nenne hier bewusst nicht die genutzten Suchbegriffe, aber ich hatte nach 10 Sekunden zahllose Treffer.

Im ersten Video erklärte jemand ausführlich und in aller Ruhe, wie man ohne Spezialwerkzeug (er nutzte einen langen, nadelartigen Gegenstand und einen kleinen Inbus Schlüssel) ein besseres ABUS Schloss als meines öffnet. Der relevante Teil dauert 50 Sekunden (ohne Erklärung vielleicht 30s). Zum erneuten Verschließen reichte dann eine Umdrehung des Inbus Schlüssels. Klick.

Das zweite Video war dann der Hammer: Werbung für ein spezielles Einbruchswerkzeug für ABUS Schlösser, inkl. professioneller 3D-Animation. Einstecken, 4-5 kleine Drehungen, offen.
Für‘s Zünd- und Lenkschloss sucht man dann nach Polenschlüssel – und spätestens danach weiß man, dass jede Art von Schloss, Wegfahrsperre oder Alarmanlage bestenfalls ein Schutz gegen drogenvernebelte Crash-Kids ist. 1-2-3-meins in 10 s.

Vom Gefühl her würde ich zukünftig zu einem GPS-Tracker neigen. Diese sind – durch eigene Batterie – mehrere Tage autark am Werk, und die Polizei muss nur noch hin fahren, um die Arschlöcher einzusammeln. ABER: In nicht-EU Staaten (also bald auch im UK) nicht einsetzbar, wegen unzumutbarer Roaming Kosten. Landet die Kiste hinter der nächsten Kurve in einem geschlossenen Sprinter, so ist Schluss mit GPS. Auch ein Scrambler gegen Mobilfunksignale nimmt einem solchen Teil schnell die Bedeutung. Bestimmt alles vorhanden, im Fundus dieser Herrschaften.

Keyless-Go ist ein optionales Feature der neueren GS, welches ärgerlicherweise auch noch mit anderen (sinnvolleren) Features in Paketen gebündelt wird. Hierbei reicht es, wenn der Schlüssel in der Nähe des Fahrzeugs ist – also z.B. in der Hosentasche. Auch die eventuell vorhandene Alarmanlage wird darüber gesteuert. Das System war wohl bereits gehackt, bevor die Tinte in den Prospekten trocken war. Jetzt floriert ein Markt für Behältnisse, mit denen der eigene Keyless-Go Schlüssel abgeschirmt wird – und nur noch funktioniert, wenn er daraus entnommen wird. Totaler Irrsinn.

In der gesamten Kette der Beteiligten eines Diebstahls gibt es nur Gewinner – abgesehen vom Opfer.

  • Die Diebe freuen sich über die Kiste.
  • Der Hersteller freut sich auf neuen Umsatz, wie Ersatzfahrzeug und Ersatzteile für das geklaute Bike.
  • Der Händler sieht das wie der Hersteller.
  • Die Versicherung rechtfertigt und manifestiert damit die hohen Preise.
  • Ebay freut sich über eventuelle Gebrauchtteile.
  • Die Pharmaindustrie verkauft mehr Beruhigungsmittel.
  • Der Staat genießt die daraus resultierenden Steuern.

Ich habe keinen Zweifel, dass es möglich wäre, ein diebstahlresistentes Fahrzeug zu entwickeln. Man müsste es nur wollen.

====================================================================

Nachtrag vom 16.09.2017

Der Diebstahl liegt jetzt fast 8 Wochen zurück, und meine Versicherung, die Europeesche Verzekeringen, hüllt sich in tiefes Schweigen. Das einzige, was ich von denen bislang erhalten habe, ist ein Schreiben, dass meine Versicherung ruht. Es kam zwei Wochen nach dem Ereignis.

Der Sachverständige der Versicherung, ein sehr angenehmer ex Polizist mit internationaler Berufserfahrung, hatte mich zu Hause besucht. Nachdem ich alle Schlüssel, Fahrzeugpapiere und Belege übergeben hatte, blieb noch etwas Zeit für Smalltalk über mögliche Sicherungsmechanismen. Das Ré­su­mé ist eher ernüchternd. Vergesst Geo-Tracker, Alarmanlagen oder mechanische Schlösser. Diese wirken nur gegen Gelegenheitsdiebe. Profis hingegen sind gegen alles gewappnet, und ein kompakter Jammer gegen Mobilfunksignale (eines Geo-Trackers) gehören zur Grundausstattung. Laut dem Spezialisten gibt es derzeit genau ein Produkt, welches tatsächlich funktioniert. Der sogenannte LoJack basiert auf einer Funkfrequenz abseits der üblichen GSM Signale. Bei Diebstahl meldet man den Vorgang der Polizei. Diese gibt es in die nationale Verbrechensdatenbank ein, und aktiviert damit das System. Danach können sämtliche Polizeifahrzeuge das gestohlene Fahrzeug orten – und – im Idealfall, das Gesindel einfach einsammeln. Leider, aber Schade: Das System stammt aus den USA, und ist bei Europäischen Polizeibehörden noch nicht eingeführt. In den Niederlanden gibt es wohl erste Feldversuche damit. Es ist allerdings zu erwarten, dass bei wirklicher Einführung auch ein Kraut gegen diese Art der Funkortung wachsen wird.

Kurz vor Übermittlung des Wertgutachtens erhielt ich vom Sachverständigenbüro einen Anruf, um den zu übermittelnden Fahrzeugwert abzustimmen. Man wollte EUR 12.500,– angeben. Ein Blick in die typischen Handelsplattformen – in den Niederlanden Autotrader, Ebay oder Motoroccasion – zeigt, dass man das runtergerockteste Fahrzeug des schönen Königreichs zur Wertermittlung heran gezogen hatte. Im Telefonat einigten wir uns schließlich auf EUR 13.500,-, und dieser Wert sollte der Versicherung übermittelt werden.

Das Sachverständigengutachten zur Wertermittlung liegt der Versicherung nun seit 3 Wochen vor – nur die Zahlung bleibt aus. Die Europeesche Verzekeringen war hier eindeutig ein Griff ins Klo. Andere niederländische Motorradversicherungen sind nicht nur markant günstiger, sie beinhalten auch eine Pauschale für Gepäck und Kleidung. Auch der Nutzungsausfall wird von anderen Gesellschaften berücksichtigt – nicht jedoch von meiner. Die Saison ist gelaufen, und selbst die anstehenden Herbst- und Wintertouren scheinen durch meine Versicherung kompetent verhindert zu werden.

====================================================================

Nachtrag vom 29.09.2017

Heute, exakt 2 Monate nach der Tat, hat die Versicherung endlich die vereinbarte Summe gezahlt.

  • Lieber Thomas,
    morgen holst du die Harley und das tröstet dich ein wenig über den Verlust. Das heisst auch zweirädrig zurück zu den roots, zumindest vorübergehend. Und ein Bremsscheibenschloss und eine Kette mindestens wäre zu empfehlen.
    Trag es wie ein Mann, auch die Harley!
    Gruß
    Uli

  • Hallo Thomas,
    schon bei deiner Mail an den Stammtisch, ist mir kurz schlecht geworden. Was da gelaufen ist, ist einfach richtig mies und ich hoffe, dass du bald wieder ein Motorrad deiner Wünsche unter dem körpereigenen Sitzpolster hast.
    Da bei mir wohl innerhalb der nächsten Woche auch die Beschaffung und Erfüllung eines Traums auf dem Plan steht, eine GS aus 2008, überlege ich jetzt schon deutlich angestrengter als vorher, wie ich diesen Traum in Zukunft, während meiner körperlichen Abwesenheit, noch besser schützen kann.

    Viele Grüße und Glück mit Versicherung, Behörden, Ersatzbeschaffung und Verarbeitung des Erlebten!
    Thorsten

    *Peinlich ist das einfach nur für die Rasse Mensch bzw. dass es Exemplare gibt, die solche Aktionen starten und damit durchkommen, aber nicht für dich!

  • Hallo Thomas,

    echt schaice:-((. So viel zu dem Thema.. elektronische Wegfahrsperren und Alarmanlagen. Das Verhalten unserer Verfolgungsbehörden kommt mir doch irgendwie sehr bekannt vor.

    Hoffentlich ist der finanzielle Schaden nicht so groß.. der Mentale.. mit all dem Ärger reicht ja schon.
    Winnie

  • Lieber Demo,

    ich kann gut nachvollziehen, wie es dir momentan gehen wird. Meine gerade erst 3 Monate alte RT wurde vor 3 jahren bei ihrer ersten richtigen Reise auf einem Rastplatz bei Brüssel gestohlen. Wir hatten wegen Regen angehalten und waren 15 Minuten im Bistro. Gesichert war sie mit Lenkschloss, Wegfahrsperre und Alarmanlage. Die Polizei mussten wir nicht rufen, denn sie war mit uns im Bistro und machte gerade Mittagspause. Auf dem Parkplatz lehnte meine Gepäckrolle mit einem der Spanngurte an der Maschine meines Freundes. Der Rest war wweg. Kein Alarm.
    Nachdem wir 1 Stunde auf Zugang zu den Überwachungsvideos warten mussten wurde das ganze Drama sichtbar. Leider in schlechter Qualität. Noch während wir zum Bistro gingen schlenderten 2 typen zu unserem Abstellplatz. Einer blieb davor stehen und schien sich eine Kippe zu drehen. Der andere verschwand hinter parkenden Autos. Nach 4 Minuten tauchte sein Kopf wieder auf, gut 20 m entfernt von unserem Parkplatz. Dann schlenderten beide gemächlich aus dem Sichtfeld der Kamera. Wie bei dir fuhr kurz darauf ein Motorrad vor und einer stieg ab. Keine 15 sekunden später konnte ich sehen, wie meine RT von hinten aussieht. Sie wurde nicht geschoben. Sie fuhr.
    Auf einer anderen Kamera der Tankstelle war sogar das Kennzeichen zu lesen. Es war natürlich geklaut. Mein Kumpel erzählte noch stolz von seinem GPS Tracker. Wenig später entdeckte er, dass sein Tom Tom fehlte. War wohl Beifang.

    Die Maschine wurde voll ersetzt. Meine Kameraausrüstung, Drohne und mein restlicher Kram jedoch nicht.
    Ichhatte danach die gleiche Kiste wieder. Aber nichts war wie davor. Ich bekam Schweissausbrüche, wenn ich sie irgendwo abstellte. Nach 6 Monaten habe ich sie verkauft und mein Motorraddasein beendet. Der Spaß war weg.

    Ich wünsche dir alles gute

    Peter

    • Status: idle
      Ab 29.08. kann ich wohl eine neue Kiste erwerben. Wird wahrscheinlich eine F700 GS, als Zwischenschritt zur (bald) neuen F900 GS. Erwäge Kauf im UK – der Pfund-Kurs ist zu verlockend.

  • Hallo Demokrit,
    auch ich musste leider erleben, dass ein Fahrzeugdiebstahl heutzutage für die Behörden nur ein Verwaltungsfall ist. Formular ausfüllen, Stempel drunter und abheften. Mehr scheint nicht zu passieren. Danach heißt es, auf die Versicherung zu warten. Lachende Gesichter gibts dabei nur in deren Prospekten.
    Ich wünsche dir viel Kraft, diesen ganzen Mist bald hinter dir zu lassen.

    Dein leidensgenosse Mogli

Schreibe einen Kommentar

Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Du kannst diese HTML Tags und Attribute benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>